Swantje Havermann, Food Swap

Swantje Havermann, Food Swap

Swantje hat zusammen mit Yelda den Food Swap in Hamburg gegründet. Heute kocht sie den Bratapfelkuchen ihrer Oma für uns.

Ich bin aufgeregt. Unser erstes Interview für die Rubrik „Zu Gast bei“ startet mit der wunderbaren Swantje Havermann.

Wer ein wenig mitgelesen hat, wird wissen, dass Swantje und ich Ende 2013 den Food Swap in Hamburg initiiert und etabliert haben.
Swantje ist nicht nur berühmt dafür, mehr Brot zu backen, als Freunde und Familie jemals essen können; von ihr sind auch etliche Rezepte für Marmeladen und Apfelmus im Salon Wechsel Dich, wo wir uns das erste mal getroffen haben und der Wahnsinn seinen Lauf nehmen konnte.

Es ist Samstag und ich weiß schon, was es geben wird. Der Bratapfelkuchen ihrer Oma mit selbstgemachtem Vanillepudding steht auf der Agenda und ich freue mich wie Bolle. Bratapfelkuchen. Ich lasse mir das eben nochmal auf der Zunge zergehen.

Vorher kaufen wir aber noch ein. Draußen ist es mies, grau, trist und sehr, sehr windig. Während Sturmtief „Felix“ zahlreiche Fernzugverbindungen im Rest des Landes komplett außer Gefecht setzt, schlendern Swantje und ich mit großem Enthusiasmus zu ihrem Lieblingstürken um die Ecke. Der Regen kann uns nichts. Bei ihr zuhause ist es mollig warm, behaglich und die Küche groß.

Bratapfelkuchen

Swantje Havermann im Interview

"Meine Oma hat auch immer zu viel von allem gemacht und dann hat sie das weitergegeben an alle in der Nachbarschaft"

Yelda: Erzähl mal, Swantje. Was ist das besondere an dem Kuchen, den wir heute backen?

Swantje: Abgesehen davon, dass ganze Bratäpfel mit Marzipan darin sind, wird der Vanillepudding drum herum nicht nur mit Milch, sondern auch mit viiiiel Sahne gekocht! Das sind 5 Millionen Kalorien, aber solche, die glücklich machen. Der schmeckt einfach nur extrem lecker. Und natürlich ist er von meiner Oma. Die weiß, was gut ist.

Yelda: Wir haben uns das erste mal im Salon Wechsel Dich kennengelernt, seitdem ist viel passiert. Unser fünfter Swap ist nächste Woche und die letzten vier waren alle unterschiedlich. Was glaubst du, kommt diesmal auf uns zu?

Swantje: Diesmal sind wir doch ganz schön viele. Ich glaube, das wird mega voll. Dann sind da noch der NDR und das Bild der Frau-Team dabei. Ich bin gespannt.

Yelda: Ja, ich bin auch sehr aufgeregt.

Ich erklär das nochmal kurz für unsere Leser wie das mit dem Food Swap funktioniert. Der Plan ist ja der: Menschen kommen zusammen und bringen selbstgemachte Dinge mit. Mit der Idee, Nachhaltigkeit zu fördern - durch Konsum von saisonalen und regionalen Lebensmittel. Aber auch der Gedanke des Teilens und vor allem des Austausches, sich Kennenlernens und das Treffen von Gleichgesinnten ist uns genauso wichtig. Alles, was mitgebracht wird, wird gemeinsam an einer großen Tafel probiert und gegessen. Quasi Abendbrot und Tauschbörse in einem.

Was ist das Besondere für dich dabei?

Bratapfelkuchen
Bratapfelkuchen
Bratapfelkuchen
Bratapfelkuchen

Swantje: Ja, das war ja früher da, wo ich herkomme, nicht anders. Meine Oma hat auch immer zu viel von allem gemacht und dann hat sie das weitergegeben an alle in der Nachbarschaft. Dafür hat sie aber auch mal was bekommen. Das ist voll schön. Dieser Gedanke des Teilens. In der Großstadt ist das bisschen schwieriger und man muss Leuteman es selbst forcieren und dahin bringen, das es klappt. Und ich finde, wir machen das ganz gut. Ich freue mich jedes mal sehr darüber.

Yelda: Stimmt, das mit dem Tauschen machen meine Mama und ihre Freundinnen übrigens auch so.

Zum Beispiel gibt es jedes Jahr aufs Neue Aşure. Aşure ist ein im Mittleren Osten verbreitetes Dessert, das hauptsächlich aus sieben Zutaten besteht. Meistens aus weißen Bohnen, Kichererbsen, Weizen, Reis, Wasser, Walnüssen und Granatapfelkernen oder das, was du gerad so da hast. Das wird dann an mindestens sieben Nachbarn und Freunde verteilt. Nach islamischem Glauben geht dieser Brauch zurück auf Noah. Angeblich hat der das nämlich gekocht nach der Sintflut - mit den letzten Resten seiner Vorräte.
Würde dir bestimmt auch gefallen. Das ist ganz gesund und um es teilen zu können, fahren die Leute wirklich einen halben Tag durch die Gegend und geben Schüsseln voll damit an Menschen, die sie wertschätzen und mögen.

Swantje: Klingt lecker!

Aber wir müssen jetzt hier erstmal die Äpfel schneiden. Schau’ mal, da ist was drin in dem Apfel. Den können wir wohl nicht mehr nehmen.

Yelda: Ganz schön eklig. Wie gehts denn dann weiter?

Swantje: Wir befüllen die Äpfel mit Nüssen, Rosinen und decken sie mit Marzipan zu. Danach kommt die Sahne und die Vanilleschote für den Pudding ins Spiel. Der wird nicht so fest wie der zum Verrühren aus der Packung, aber dafür tausendmal leckerer.

Yelda: Und dann baden die Äpfel in einem Meer aus Pudding und das Ganze kommt in den Ofen. Können wir den Kuchen denn heut Abend schon essen?

Swantje: Eigentlich ja nicht. Der muss einen ganzen Tag ziehen. So lange hält er aber nie (grinst).

Yelda: Ha! Na macht nichts. Dann komm ich morgen einfach wieder.
Aber sag mal, Swantje, was machst du, wenn du nicht mit mir reichhaltige Kuchen deiner Oma bäckst und Food Swaps veranstaltest?

Swantje: Das weisst du doch.

Yelda: Na, aber die Leser nicht.

Swantje: Ich bin Ergotherapeuten und arbeite hauptsächlich mit Kindern.

Yelda: Und was ist dein ultimatives Leibgericht, was du niemals nie ausschlagen würdest?

Swantje: Im Sommer definitiv Erdbeeren bis ich platze, im Winter viele nahrhafte Eintöpfe.

Yelda: Gut dann gibts das nächste mal Eintopf mit weißen Bohnen.

Vielen Dank für das Gespräch. Und jetzt das Ding schnell in den Ofen.

Bratapfelkuchen
Bratapfelkuchen
Bratapfelkuchen

Zutaten

Für den Vanille-Pudding

1-2  Vanilleschoten · 500 ml Schlagsahne · 250 ml Milch · 70g Puderzucker · 3 Eigelb · 40g Speisestärke

Für den Kuchen

250g Mehl · 1 Ei · 225g Zucker · ½ Päckchen Backpulver · 150g Butter oder Margerine · 50g Rosinen · 2 Esslöffel Rum · 12 kleine, säuerliche Äpfel (z.B. Boskoop)  · jeweils eine handvoll gehackte Mandeln und Haselnüsse · 250 ml Schlagsahne · 1 Päckchen Vanillezucker · 1 EL rote Marmelade ·  ca. 100g Marzipan · Mehl für die Arbeitsfläche · Fett für die Form

Zubereitung

  1. Für den Vanille-Pudding

    Milch (250 ml) und Sahne (500 ml) in einen Topf geben. Mark der Vanilleschote auskratzen, dazugeben und alles bei mittlerer Hitze aufkochen.
  2. Eigelbe (3) mit dem Puderzucker (70g) ca. 5 min zu einer dicken, cremigen Masse aufschlagen. Sie müssen fast weiß werden. Die Speisestärke (40g) unterrühren.
  3. Masse unter ständigem Rühren zur Milch geben und nochmals aufkochen.

 

  1. Für den Kuchen

    Das Mehl (250g) auf eine Arbeitsfläche sieben. In die Mitte eine Mulde drücken. Das Ei, 100g Zucker, Backpulver (½ Päckchen) sowie Fett hineingeben. Alles rasch zu einem glatten Teig verkneten. Teig zugedeckt ca. 30 Minuten kühl stellen.
  2. Die Rosinen (50g) auf einem Sieb waschen und abtropfen lassen. Rosinen mit Rum beträufeln (2 Esslöffel Rum) und zugedeckt durchziehen lassen.
  3. Die Äpfel (12 Stück) waschen, schälen und das Kerngehäuse mit einem Apfelstecher ausstechen.
  4. Den Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche zu einem Kreis (Ø 31 cm) ausrollen. Eine gefettete Springform (Ø 26 cm) damit auslegen und den Teig am Formrand ca. 3 cm hochdrücken.
  5. Die Äpfel in die Springform setzen.
    Gehackte Mandeln und Haselnüsse mit 250 ml Sahne, Päckchen Vanillezucker, einem Esslöffel rote Marmelade nach Wahl, Rosinen und Marzipan vermengen und dann in die Äpfel füllen.
  6. Vanille-Pudding über die Äpfel und den Teig verteilen.
  7. Den Kuchen im vorgeheizten Backofen (E-Herd: 175°C) ca 1 ¼ Stunden backen. Kuchen aus dem Ofen nehmen und ca. 24 Stunden in der Form ruhen lassen - wenn man es so lange aushält.
Bratapfelkuchen

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2 Kommentare

Anna schreibt |

Ein leckeres rezept und eine schöne geschichte. Ich hoffe da kommt bald mehr davon!!

Gustory | Jonas

Danke Anna! Wir haben uns da schon was neues überlegt..

Nesrin schreibt |

Tolle Seite

Gustory | Jonas

Das freut uns sehr Nesrin, danke!