· von Jonas · 2 Kommentare

Die Gewohnheit Fleisch zu essen und wie ich sie losgeworden bin

Meine Eindrücke und Erfahrungen Vegetarier zu werden

Die Gewohnheit Fleisch zu essen und wie ich sie losgeworden bin


Es ist noch gar nicht so lange her, da habe auch ich noch regelmäßig Fleisch konsumiert. Mitte 2014 habe ich mich dann entschieden darauf zu verzichten. Ein gutes halbes Jahr bevor wir angefangen haben für diesen Blog zu kochen.

Was war der Grund auf Fleisch zu verzichten?

Ich tat es hauptsächlich zum Wohl der Tiere und der Umwelt. Gerade letzteres wird zu selten mit Fleisch in Verbindung gebracht und auch mir war es lange nicht bewusst. Es gibt weltweit keine andere Industrie, die so schädlich für die Umwelt ist, wie die Massentierhaltung. Diese ist für mehr als 50% aller globalen CO2 Emissionen verantwortlich und somit Hauptverursacher des durch den Menschen verursachten Klimawandels (Nutztiere und ihre Nebenprodukte, worldwatch.org). Zum Vergleich: alle Autos, Flugzeuge und Schiffe die es auf der Erde gibt, kommen zusammen auf 13% (epa.gov).

Früher versuchte ich den Wasserverbrauch beim Duschen so gering wie möglich zu halten, um der Umwelt etwas Gutes zu tun. Dabei verbrauchte ich bei einem Duschgang zwischen 20-40 Liter. Aber jeder Burger, den ich mir mal eben in der Mittagspause bestellte, verbrauchte mehr als 3000 Liter Wasser in seiner Produktion!

Fleisch ist überall schnell, einfach und vor allem günstig zu bekommen, ob im Restaurant oder beim Einkaufen. Durch das Überangebot und der Selbstverständlichkeit, es immer zu haben, machte ich mir keine Gedanken darüber, wie wertvoll es eigentlich ist, es auf dem Teller zu haben. Die Fleischindustrie hatte es geschafft, dass Fleisch ein ganz natürlicher Bestandteil meiner Ernährung wurde und es für mich ganz selbstverständlich zum Kochen gehörte.

Die einzige Lösung für mich, dahingehend aktiver zu werden, war, Vegetarier oder Veganer zu werden. Nun gut, um erstmal einen Schritt nach vorne zu machen, beschloss ich, von nun an bewusster über das zu denken, was auf meinem Teller landete. Ich dachte, wenn ich erstmal vegetarisch kochte, würde es mir einfacher fallen, auch vegane Gerichte mit einfließen zu lassen.

Bezug zu Gustory

Hier auf Gustory kochen Yelda und ich nur vegetarische Gerichte, da sich auch Yelda schon lange vegetarisch ernährt. In unserer Menschenreihe aber beispielsweise gibt es Ausnahmen. Hier kochen unsere Gastgeber, die wir Zuhause besuchen und es wird das gekocht, was sie uns auftischen möchten oder am Besten können. Welches Lieblingsgericht das aber ist, können wir schließlich nicht vorschreiben.

Ich weiß nicht genau, ob unsere Leser auf unsere Seite kommen und bewusst wahrnehmen, dass es nur vegetarische Rezepte gibt. Ich sehe es aber als eine Herausforderung, unsere Gerichte so zu kochen und in Szene zu setzen, dass es total nebensächlich wird, ob sie mit oder ohne Fleisch zubereitet sind. Mein Anspruch ist es, dass Besucher unsere Gerichte nachkochen, weil sie inspirieren und man die direkte Lust verspürt, es probieren zu wollen. Mich würde es sehr freuen, wenn wir damit auch Leute anregen, über ihren Fleischkonsum nachzudenken, oder ihn zu hinterfragen.

Gewohnheiten brechen

Für mich war Fleisch essen zur Gewohnheit geworden. Wenn man sich nicht wirklich mit dem Hintergrund der Fleischindustrie beschäftigt, macht man sich auch selten bewusst, dass man eigentlich in den Hintern einer Kuh beißt.
Gewohnheit war auch der Gang zur Fleischtheke und die Routine sich etwas herauszunehmen. Oder die Angewohnheit bestimmte Gerichte immer mit Fleisch zu kochen, da ich sie nie ohne gegessen hatte.
Ich wusste, dass wenn ich meine Gewohnheit Fleisch zu essen, verändern wollte, ich auch eine neue Routine in meinem Leben einführen musste. Von nun an gab es also Gemüse statt Fleisch.

Wie ich Fleisch durch Gemüse ersetzt habe

Früher gab es bestimmte Gerichte, die ich nur mit Fleisch gekocht habe. Diese schmecken mir auch heute noch, weshalb ich sie auch weiterhin kochen möchte. Deshalb habe ich angefangen zu überlegen, wie ich das Fleisch darin durch bestimmte Zusammenstellungen von Gemüse ersetzen könnte. Da es mir bei Fleisch oft um die Konsistenz während des Beißens oder um den Geschmack ging, wusste ich, was ich an diesen Gerichten verändern musste. So fand ich geraspelte Zucchini und Möhren von der Konsistenz her ähnlich wie Hackfleisch und verwendete diese stattdessen in einer Tomatensoße.
Da ich gebürtiger Schwabe bin, musste es früher schon auch mal Sauerbraten mit Spätzle und Rotkohl geben. Schon einmal einen Braten ohne Bratensoße gegessen? Schmeckt langweilig und nur wenn er gut gemacht ist, ist er nicht trocken und leicht saftig. Deshalb wusste ich, dass der eigentliche Schlüssel die Bratensoße ist und diese wesentlich zum Geschmacksempfinden beiträgt. Aus diesem Grund versuche ich diese besonders in den Vordergrund zu holen und koche sie deshalb heute ein wenig anders. Ich hacke zum Beispiel das Gemüse für die Gemüsebrühe ganz fein und siebe es auch nicht ab. Ich mag es, wenn noch etwas zum Beißen in der Soße ist. Zusätzlich verleihen Curry, Balsamico und Senf einen besonderen Geschmack.

Wann fällt es mir besonders schwer, auf Fleisch zu verzichten?

Anfangs viel es mir nicht leicht, in einem bestimmten Umfeld zu essen. Zum Beispiel wenn ich mit Freunden ausging und sie Fleischgerichte bestellten.
Dann geschah etwas ähnliches wie wenn ich beispielsweise an einem Cafe vorbeilaufe und der Geruch von gerösteten Bohnen in meine Nase steigt. Genau dann denke ich an Kaffee und möchte eben auch einen haben.
Dieses Empfinden hatte ich ganz stark in der Grillsaison. Man trifft sich mit Freunden im Park, läuft über die Wiese und nimmt augenblicklich den Geruch von Lagerfeuer und geräuchertem Fleisch wahr. Daraufhin etwas anderes zu essen, als dein Kopf eigentlich von dir verlangt, fiel mir nicht leicht.
Ich bin gespannt, ob das auch in Zukunft, nach mehreren Jahren, immer noch das gleiche Verlangen in mir auslösen wird. Wie ich gelesen habe, verschwinden Gewohnheiten nie und dieser Geruch im Park wird mich wohl ewig daran erinnern, beim Grillen Fleisch zu essen.

Was hat es mir einfacher gemacht umzusteigen?

Ich denke, alles fällt einem leichter, wenn man fest daran glaubt oder wenn man durch andere Personen in seinem Vorhaben bestärkt wird.
Der Umstieg viel mir wahrscheinlich auch deshalb etwas leichter, da sich meine Freundin, die ich zu der Zeit gerade kennengelernt hatte, schon lange vegetarisch ernährte. Wir konnten uns austauschen und wenn wir dann eingekauft oder gemeinsam gekocht hatten, mussten wir nicht zwei Gerichte zubereiten, sondern konnten uns ohne Streitereien um die Pfanne, auf eine Sache konzentrieren.

Erlaube ich mir Ausnahmen?

Für mich gibt es Ausnahmen, ja. An besonderen Tagen wie Ostern oder Weihnachten zum Beispiel. Aber auch nur dann, wenn ich weiß, dass es gutes Fleisch gibt. Wenn beispielsweise der Opa meiner Freundin frisches Wild von der Jagd mitbringt und es extra für ein Festmal an Ostern kredenzt wird, dann gerne. Da weiß ich auch, auf welchem Weg dieses Fleisch zu mir gekommen ist und was dafür getan wurde.

Ist es schwerer Einkaufen zu gehen?

Nein, im Gegenteil. Ich schaue mich nach neuen Dingen um und bin auch offener Neues auszuprobieren. Zu Beginn schweifte mein Blick schon des öfteren an der Fleischtheke entlang, aber ich half mir, indem ich mir einfach für jede Woche etwas Neues raussuchte, dass ich ausprobieren wollte.

Ist es teurer, als Vegetarier zu leben?

Bei mir ist es nicht so. Ich gebe sogar weniger Geld beim Einkaufen aus.
Einen großen Unterschied erkenne ich beispielsweise in Restaurants. Dort sind vegetarische Gerichte meistens günstiger, jedoch hat man auch weniger Auswahl.

Je mehr ich mich damit beschäftige, desto mehr bin ich der Überzeugung, eine richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Eines hielt ich mir aber von Anfang an vor Augen und wird mir auch jedes mal wieder klar: satt und glücklich werde ich auch ohne Fleisch.

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2 Kommentare

Lena schreibt |

Sehr inspirierend geschrieben. Es gibt viel zu wenige Menschen, die sich Gedanken über ihre alltägliche Routine machen. Nach einer langen Reise (auf der die vegetarische Ernährung noch schwerer fällt - all die exotischen Speisen...) hast Du mich mit Deinem Artikel bestärkt, weiterhin kein Fleisch zu essen.

Gustory | Jonas

Das stimmt Lena! Auch auf meinen Reisen gab es Momente, in denen ich verstanden habe, warum in bestimmten Regionen Menschen auf Fleisch angewiesen sind. Aber leider gibt es auch viele Gegenden, wo zu wenige Menschen darüber nachdenken und nicht bewusst ausgewogen kochen und essen. Es wird einem einfach zu einfach gemacht.

Mia schreibt |

Ein wirklich schöner Bericht. Ich ernähre mich ja momentan vegan, doch bald ist der Monat vorbei und ich grübele, wie es danach weitergehen soll. Da kam dein Artikel gerade recht. Vielen Dank, Jonas :)
Liebe Grüße, Mia

Gustory | Jonas

Das habe ich schon verfolgt und finde es super, dass du es auch noch so schön dokumentierst :) Und die Buddha Bowls sind richtig gut!