Villa Verde - Weinseminar Hamburg

Villa Verde Hamburg

Raum für geschmackvolle Lebensfreude

Sehen, Riechen, Schmecken

Seit 2002 betreibt die gelernte Sommelière Ina Finn die Villa Verde mitten in Hamburg, nahe der Sternschanze. Damit hat sie sich nicht nur einen Traum erfüllt, auch kann sie nun jedem, der seinen Horizont erweitern möchte, Wissen rund um das Thema Wein vermitteln und für Genuss begeistern.

Neben Weinseminaren und -proben für sowohl komplette Einsteiger, als auch Kenner, bietet Ina Finn weitere Veranstaltungen an, die Wein und Essen miteinander verbinden, unterschiedliche Themenschwerpunkte haben oder für einen Abend in ferne Länder reisen.

Wir haben bei einem der Seminare teilgenommen und wurden bei "Weinwissen in drei Stunden" in die Welt des Weines eingeführt​. Dabei haben ​wir gelernt, wodurch ​sich verschiedene Weine voneinander unterscheiden. Neben einem Aperitif und Häppchen zu Beginn, testeten wir uns durch acht verschiedene Weine. Bei einem Riechparcours konnten wir unseren Geruchssinn auf die Probe stellen und in etwa erahnen, wie sehr man diesen schulen kann.

Das Alles war so spannend, dass wir Ina Finn gebeten haben, sich ein zweites Mal mit uns zu treffen​. So konnten wir ​den Abend und unsere Gedanken ​da​zu vertiefen. Heraus gekommen ist ein interessantes Interview, das ihr nun hier lesen könnt.

Vielen Dank an Ina Finn und ihr Team für einen tollen Abend!

Interview mit Ina Finn

Wir haben bei unserem Weinabend auch unsere Sinne getestet und einen Riechparcours durchlaufen. Es war nicht immer einfach, bestimmte Gerüche zu erkennen oder zu benennen. Wie schult ihr eure Nase?

Ich gehe einfach immer mit offener Nase durch die Welt. Meine Sensorik ist also immer wach. Wir haben permanent mit Essen und Trinken zu tun und achten auch immer darauf, was einem gerade unter die Nase kommt oder was man schmeckt. Auch die regelmäßigen Verkostungen sind eine dauerhafte Beanspruchung der Sinne.

Du bist auch schon Wein-Sommelière in einem Restaurant gewesen. Hast du eine Ausbildung oder einen Diplom gemacht? Braucht man das überhaupt?

Theoretisch dürfte sich jeder Sommelier nennen der vielleicht auch nur peripher damit zu tun hat. Es gibt im Grunde genommen leider keinen Schutz darauf. Das finden alle die eine IHK-geprüfte Ausbildung haben oder eben auch eine internationale SommelierAusbildung, schade. Aber am Ende beweist sich das Können eines Sommmliers immer auf seiner Spielwiese.

Ich habe als Sommelière in einem sehr renommierten Haus gearbeitet und wollte damals auch die IHK Prüfung machen, hatte aber durch den fest eingespannten Beruf keine Zeit dafür. Daher habe ich später ein Weinstudium absolviert.

Was sollte ein Sommelier mit sich bringen?

Ich denke, die Grundvoraussetzung ist, dass man Lust hat, Dienst zu leisten. Dazu kommt das fachliche Wissen rund um den Wein und alle anderen Spirituosen. Denn im Grunde hat der Sommelier sämtliche Kenntnisse, was Getränke anbelangt. Der Schwerpunkt liegt schon auf dem Wein, aber es ist derjenige, der den Aperitif sowie den Digestif nach einem Essen empfiehlt. Auch alkoholfreie Getränke wie Tee und Kaffee muss er kennen.
Er hat auch viel mit Winzer-Persönlichkeiten zu tun und man beschäftigt sich oft mit Kulturen und deren Geschichte. Die Begeisterung dafür sollte man also schon haben.

Und irgendwann bist du dann dazu gekommen, die Villa Verde zu gründen?

Genau. Das war 2006. Mein Wunsch war damals, so früh wie möglich selbstständig zu werden. Und das habe ich auch mit 27 Jahren gemacht. Damals habe ich viele Moderationen durchgeführt, geschult, beraten und geschrieben. Da ich dadurch auch viele externe Veranstaltungen miterlebt habe, ist mir immer etwas aufgefallen, das in meinen Augen nicht ganz gepasst hat. Mal war die Atmosphäre nicht so gut, dann gab es bei einem 100 Leute Publikum kein Mikrofon oder es waren verwinkelte Räume. Oder die Abstimmung Wein und Essen war nicht, wie ich es mir gewünscht hätte und der Service war vielleicht nicht immer so wie man Gastlichkeit und Dienstleistung versteht. Das Einzige was dann hilft, ist es selber in die Tat umzusetzen. Und das habe ich dann auch gemacht. Die Villa Verde war anfangs zwar viel Arbeit, aber jetzt ist es so geworden, wie ich es mir gewünscht habe.

Innenraum Villa Verde Hamburg
Korken auf einem Weinfass
Stühle und Weinflaschen mit Kerzen - Villa Verde
Villa Verde Kommode
Espressomaschine Villa Verde
Ina Finn im Interview - Villa Verde

Veranstaltungen

Und welche Veranstaltungen werden hier gemacht?

Es gibt zum einen die Basis-Weinseminare, die im Grunde erstmal einen Überblick verschaffen.

Dann gibt es seit dem letzten Jahr eine sehr beliebte Veranstaltung, unseren Mädelsabend. Hier gibt es kein Schwergewicht an Input, es wird eher auf spielerische und unkomplizierte Art in Sachen Wein zusammengekommen. Ebenso wie es Frauen gerne machen. Nicht zu viel Detailbesessenheit, sondern eine leichte unkomplizierte Unterhaltung, die von Wein begleitet wird. Da herrscht immer eine sehr entspannte und fröhliche Stimmung.

Dann haben wir unseren Antipasti- Pasta e Vino Abend, der ebenfalls sehr unkompliziert ist und von den Weinen eher leicht.

Natürlich gibt es auch Veranstaltungen, bei denen es um Wein und Käse geht. Unseren Käse holen wir von Waltmann. Es ist mir wichtig, dass dieser ebenso köstlich ist, wie der Wein und das man beides auch wunderbar an einem Abend kombinieren kann. Wenn man zum Beispiel einen Gewürztraminer trinkt, ist er für die meisten schnell zu viel. Aber wenn man ein Gläschen mit einem bestimmten Käse zusammen genießt, merkt man eine sehr gute Harmonie. Und genau das zu erleben, ist für viele dann auch spannend.

Dann haben wir viele Länderseminare. Von Frankreich, meinem Lieblingsthema, bis zu Italien, Spanien, Portugal, die neue Welt, Neuseeland, Südafrika, Kalifornien und Co, ist alles mit dabei.

In der Kategorie passioniert gehe ich mehr in die Tiefe und stelle mich begeisternden und faszinierenden Themen wie die Bourgogne.

Aber auch Spirituosen-Abende veranstalten wir hier. Da gibt es zum Beispiel Verkostungen von Gin. Wir sind gerade auch in der Planung einen Branntwein-Abend mit Cognac und Brandy zu machen. Wir bleiben also nicht stehen, sondern bieten immer wieder neue Themenabende an. Dass es dabei abwechslungsreich wird, ist mir sehr wichtig.

Liste aller Veranstaltungen

Käse und Brot Verkostung
Credit: Joern Pollex
Weingläser für Riechparcour
Credit: Joern Pollex

Deutsche Weine hatten ja immer einen bestimmten Ruf, und es heisst, die hätten sich gemausert. Was ist da dran?

Den Trend haben nicht wir Deutsche ausgelöst, es war schon in den 90er Jahren so, dass es hipp war, sich in New York und in angesagten Häusern in den USA an der Leichtigkeit der Rieslinge und überhaupt der deutschen Weine, zu erfreuen. Und die deutschen Winzer haben ohnehin gemerkt, dass es ganz lukrativ ist, Weine in die USA zu verkaufen. Die Internationalen Weinkritiker haben daraufhin dann darüber berichtet und den Riesling aus Deutschland als sehr, sehr interessant, fein und spannend bewertet. Dann kommt hinzu, dass durch Social Media und die heutige globalen Vernetzungen auch ein ganz anderer Austausch entsteht. Auch die Ausbildung der deutschen Winzer ist heute besser. Da haben alle internationale Praktika absolviert und sammeln Erfahrungen in allen möglichen Anbauländern. Und die sind ebenfalls vernetzt, tauschen sich aus und sind eben eine andere Generation als vor 30 Jahren. Es ist nicht mehr so, dass man nur in seinem kleinen Weindorf unterwegs ist und mal probiert was der Nachbar macht. Es ist eine generelle Vernetzung und Wertschätzung und das führt auch dazu, dass der Endverbraucher sehr viel mehr informiert ist. Man muss heute nicht mehr in die Ferne schweifen, um guten Wein zu bekommen, was eben auch ein gutes Preis-Genuss-Verhältnis bietet.
Es ist also eine Verkettung von Dingen, warum der deutsche Wein heute ganz beliebt ist.

Ist es denn in Ordnung einen 3 Euro Wein vom Discounter zu einem Abendessen bei Freunden mitzubringen?

Ich persönlich ziehe mich selber immer aus dieser Wertung raus und versuche es auch ganz objektiv zu betrachten. Da muss jeder auf sich selber schauen, wieviel Essen und Trinken demjenigen Wert ist. Das muss nicht nur auf Wein bezogen werden, es kann auf jede Form von Lebensmittel bezogen werden. Wenn man persönlich nicht mehr Geld als fünf Euro für einen Wein ausgeben möchte, dann hat derjenige bestimmt andere Dinge, die ihm wichtiger sind und für die er mehr Geld ausgibt.
Ich gebe überproportional viel Geld für Essen und Trinken aus, habe dafür aber auch keinen großen Bildschirm oder ein teures Auto in der Garage. Das ist mein persönliches Empfinden dafür. Da kann man jemanden auch nicht belehren, die Erfahrung muss er selber machen. Je weniger der Wein kostet, desto einfacher und simpler ist er auch. Wir haben heute in Bezug auf Wein aufgrund der technischen Möglichkeiten keine absoluten Totalausfälle mehr. Der Wein ist als Wein erkennbar, er ist in der Regel aber dann ein Massenprodukt und man kann im maximalen Maße vielleicht noch die Rebsorte erkennen und das wars.

Sollte man also eher in ein Weinladen gehen und sich beraten lassen, wenn es ein besonderer Abend werden soll?

Die Schwellenangst ist nach wie vor da, in ein Fachgeschäft zu gehen, weil die meisten wenig bis keine Berührungspunkte mit Wein haben und gar nicht wissen, wonach sie fragen sollen. Das macht sie eben unbeholfen. Aber jedes gute Weinfachgeschäft ist so gut, dass sie eben genau diese Leute abholen können. Da ist also absolut meine Empfehlung mutig zu sein und in ein Fachgeschäft zu gehen, weil man dort auch oft die Möglichkeit hat, ein paar Weine zu probieren. Da kann man sich ruhig mal nach der Arbeit ein bisschen Zeit nehmen und in Ruhe zwei oder drei Weine probieren, um damit auch seinen Horizont zu erweitern.

Aber der Verkauf in Supermärkten wird auch immer stärker…

Man muss sagen, dass sich der Kuchen heute einfach anders verteilt. Wir haben Discounter, Supermärkte, die Fachgeschäfte und das Internet was immer stärker wird. Und wir haben auch immer noch einen ganz ordentlichen Anteil an Direktvertrieb. Viele Endverbraucher bestellen also noch direkt bei ihrem Lieblingsweingut.
Der Anteil der Fachgeschäfte ist immer schon der kleinste Anteil gewesen und er wird vermutlich in Zukunft noch weiter schrumpfen. Und diesen Teil werden die Supermärkte auffangen. Wir werden mehr und mehr spezialisierte Weinabteilungen in Supermärkten finden und können dort sogar eine fachliche Beratung erwarten. Auch das Sortiment wird immer breiter und tiefer. Das finde ich auch gut so, denn der Verbraucher liebt natürlich auch die Bequemlichkeit und wenn er während seines Einkaufs auch noch einen Wein in höheren Qualitäten findet, ist er super happy. Kooperationen von Supermärkten und Winzern zeigen schon, dass es auch teurere Weine für acht oder neun Euro im Laden gibt. Und das finde ich gut so, denn wenn sie ihren Preis halten, ist es ja genau richtig. Und es führt dazu, dass der Discount-Kunde mal sensibilisiert wird, dass es eben nicht nur den Wein für 1,50 gibt, sondern auch mal für teurer.

Weinflaschen mit Kerzen

Gibt es eine Faustregel, welcher Wein zu welchem Essen passt?

Eine Frage, die man nicht so einfach in zwei Sätzen beantworten kann. Was sich aber immer gut kombinieren lässt, ist die regionale Verbindung. Ich mache z.B. ein Coq au vin (französisches Nationalgericht, Anm. der Redaktion) und trinke ein Wein aus der Bourgogne. Oder man weiß zum Beispiel, dass ein roter Bourgogne aus der Rebsorte Pinot Noir besteht und trinkt deshalb einen Spätburgunder aus Deutschland, da dies die gleiche Rebsorte enthält. Man kann auch Gegensätze schaffen. Zum Beispiel ein süßer Wein mit einem sehr salzigen Essen. Oder Schärfe und Süße lässt sich auch gut kombinieren.
Man sollte sich eigentlich immer nach der intensivsten Komponente in der Speise orientieren. Bauchgefühl walten lassen und ausprobieren hilft auch immer ganz besonders gut.

Bringt es was, wenn ich meinen Rotwein Zuhause über Jahre lagere? Wird er dann besser oder wertvoller?

Zuerst ist zu bemerken, dass die wenigsten Weine überhaupt ein Lagerpotential haben, also die Anlage, mit den Jahren besser zu werden. Im Grunde kann man sagen, dass die meisten Weine, ich sage 90% der Weine, die es auf dem Markt gibt, innerhalb von maximal drei Jahren verbraucht sein sollten. Die meisten Weißweine sollten mit aktuellem Jahrgang getrunken werden. Sie sind danach zwar nicht schlecht oder gar Essig, aber sie werden ihre Frische und Fruchtigkeit verloren haben und deutlich ausgezehrter und härter schmecken. Mir würde das dann kein Trinkvergnügen bereiten.
Es gilt: Lagerfähigkeit steigt mit zunehmender Qualität.

Wo kann man in Hamburg guten Wein kaufen? Und wo wird man gut beraten?

Der Mövenpick Weinkeller in Bahrenfeld. Sie haben auch ein zweites Geschäft in Hamburg-Sasel.
www.moevenpick-wein.de
Theodorstraße 42, 22761 Hamburg

Kühne Lage
www.kuehne-lage.de
Schützenstraße 39, 22761 Hamburg

Rebsaal in Hamburg Eppendorf
www.rebsaal.de
Eppendorfer Baum 44, 20249 Hamburg

Die Weingaleristen am Großneumarkt
www.die-weingaleristen.de
Kohlhöfen 14, 20355 Hamburg

Wein & Boules in der Schanzenstraße. Für Schanzenpublikum. Mit eigenständiger Auswahl und lockerer Beratung.
Schanzenstraße 12–14, 20357 Hamburg

Vineyard Weinhandel in der Osterstraße. Toller, unkomplizierter Service und eine schöne Weinbar.
www.vineyard-weinhandel.de
Osterstraße 92, 20259 Hamburg

Ina Finn
Villa Verde Weinschrank

Villa Verde - Weinseminare Hamburg

Adresse:
Eimsbütteler Chaussee 37
20259 Hamburg

www.villa-ver.de

Close

1 Kommentare

Hannes schreibt |

Wow, super informativ!
Sehr schön geworden.

Gustory | Jonas

Danke Hannes! Das ist schön zu hören!